Raus aus der Defensive

Cem Kurun engagiert sich für die Demokratie-Initiative. Im Interview erklärt er, warum individuelle Rechte und politische Mitsprache entscheidend für eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft sind.

Die Debatte innerhalb der Linken hat sich an der Woke-Frage entzündet. Eine der zentralen Fragen dieser Diskussion ist keineswegs neu: Soll die Linke soziale Kämpfe priorisieren oder sich in erster Linie um individuelle Rechte kümmern? Die Antwort fällt nicht leicht, doch nicht wenige sind überzeugt, dass man an beiden Fronten gleichzeitig kämpfen kann. Cem Kurun – Mitglied der AL, Präsident des Vereins Zürcher Plattformfahrer und Vorstandsmitglied des Vereins «Zürich für die Demokratie-Initiative» – gehört dazu. Wir haben ihn interviewt.

Cem Kurun, in deiner Branche arbeiten fast ausschliesslich Personen ohne Schweizer Pass. Was bedeutet das?

Als traditioneller Taxifahrer sah ich mich gezwungen, ebenfalls für Uber und Bolt zu fahren, weil uns diese Plattformen mit aggressivem Preisdumping die reguläre Kundschaft abgejagt und den gesamten Markt kaputtgemacht haben. In den letzten Jahren habe ich mich intensiv dafür eingesetzt, unsere Arbeitsbedingungen zu verbessern, doch das war schwierig. Die Menschen in dieser Branche erleben eine enorme berufliche Prekarität, zu der noch ein unsicherer Aufenthaltsstatus hinzukommt. Wenn man keine Stimme hat, hört die Politik einem nicht zu.

Warum ist der Zusammenhang zum Bürgerrecht für dich so entscheidend im Kampf gegen diese Prekarität?

Wer in der Schweiz arbeitet und hier Steuern zahlt, muss nach einer gewissen Zeit die Möglichkeit haben, das Bürgerrecht zu erlangen und abzustimmen. Das sollte ein Grundprinzip einer liberalen Gesellschaft wie der Schweiz sein. Die Stärkung der individuellen Rechte würde ausserdem vielen Menschen helfen, der Prekarität zu entkommen; sie würde dazu beitragen, dass sie sich stärker in die Gesellschaft eingebunden fühlen und weniger Angst davor haben, die Stimme zu erheben, wenn etwas absolut schiefläuft.

Hast du dich auch deshalb entschieden, dich für die Demokratie-Initiative zu engagieren?

Samir hat mich ins Boot geholt. Die Demokratie-Initiative verkürzt die Einbürgerungsfristen und erleichtert das Verfahren. Es wird nicht einfach, aber man muss es versuchen und darf beim Thema Rechte nicht ständig in der Defensive verharren.

Das Interview erschien im AL-Info 3/26.


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