Empört, aber nicht überrascht hat die Alternative Linke (AL) von den Ergebnissen der Mietpreiserhebung 2026 Kenntnis genommen. Halb als Entwarnung verkündet das Statistikamt, dass die Mieten seit 2024 insgesamt bloss um 3.1% und damit nur halb so stark gestiegen seien wie zwischen 2022 und 2024. Der statistische Blick aufs Ganze täuscht jedoch und verniedlicht die aktuelle Entwicklung. Er unterschlägt, dass seit der Erhebung von 2024 zwei Senkungen des Referenzzinssatzes stattgefunden haben, was zu sinkenden oder zumindest stagnierenden Mieten führen sollte. Stichtag für die Erhebung war der 1. April 2026, auch die letzte Senkung von 1.50% auf 1.25% hätte zu diesem Zeitpunkt problemlos berücksichtigt werden können.
Explodierende Anfangsmieten
Die AL richtet den Blick auf den Bereich, der die Mietenden am meisten schmerzt und wo sie am wenigsten geschützt sind: auf die Anfangsmieten bei Neubauten und bei Neuvermietungen. Und hier zeigt die Erhebung ganz andere Zahlen als die vergleichsweise niedlichen 3.1%:
- Für eine 3-Zimmer-Neubauwohnung müssen pro Quadratmeter 10.45% mehr bezahlt werden als 2024, gegenüber 2022 sind es sogar 25.31% mehr. Für eine 3-Zimmer-Standard-Wohnung mit 75 m2 Wohnfläche sind das 272 respektive 581 Franken mehr pro Monat.
- Bei Neubezug sind die Mieten in den letzten zwei Jahren um 6.33% und gegenüber 2022 sogar um 16.22% gestiegen. Für eine 3-Zimmer-Wohnung sind das zusätzliche 131 respektive 308 Franken pro Monat.
Das sind happige Zahlen. Und dabei handelt es sich um den Median, also um den Mittelwert – vom 75%- und vom 90%-Quantil nicht zu reden!
Bezahlbarer Wohnraum bedroht
Besorgniserregend ist auch die Entwicklung in den einzelnen Quartieren. Die Mietpreiserhebung dokumentiert anschaulich die galoppierende Gentrifizierung in den Stadtkreisen 4 und 5, die unmittelbar zu den Hochpreisquartieren Altstadt, Riesbach, Fluntern, Enge und Hottingen aufgeschlossen haben. Im Quervergleich relativ günstig sind die Mieten aktuell noch in den eher einkommensschwächeren Quartieren Albisrieden, Altsteten, Witikon, Seebach, Schwamendingen und Affoltern. Doch gerade hier droht mit den angedachten Aufzonungen der BZO-Revision 2027 ein massiver Teuerungsschub.
Zürich auf Platz 1 im UBS-Bubble-Index
Kürzlich hat die UBS die Stadt Zürich auf Platz 1 ihres Global Real Estate Bubble Index gesetzt. In Zürich kostet eine Eigentumswohnung so viel wie 46 Jahresmieten einer vergleichbaren Mietwohnung. Das ist der höchste Wert aller untersuchten Städte. Ein offensichtlicher Überschwang zeigt sich laut UBS auch beim Kauf von Immobilien als Kapitalanlage.
Politischer Handlungsbedarf
Angesichts dieser Daten drängen sich in politischer Hinsicht für die Alternative Linke drei Schlussfolgerungen auf:
- Mit seinem Gegenvorschlag zur Mietpreisinitiative, der die Kostenmietelemente aus dem Mietrecht streichen und zu einem System mit Vergleichsmieten übergehen will, giesst der Bundesrat noch mehr Öl in den total überhitzten Mietmarkt. Diese mietpolitische Geisterfahrt muss sofort gestoppt werden.
- Ebenso auf dem Holzweg ist der Zürcher Stadtrat, der die dringend notwendigen Wohnungssubventionen für Haushalte mit kleinem Portemonnaie und Zuschüsse aus dem Wohnraumfonds kürzen will.
- Und bei der anstehenden Revision der Stadtzürcher Bau- und Zonenordnung muss bei Aufzonungen die gesamte Mehrausnützung in Form von preisgünstigen Wohnungen in dauerhafter Kostenmiete realisiert werden, wie das die AL-Initiative «Hier leben, hier wohnen, hier bleiben» verlangt.
Übersicht Mieten Neubau Neubezug
Medienmitteilung der AL vom 29. September.
(Bild: Claudio Schwarz via unsplash.com)