Alternative Linke?

Ende Mai wird die AL an ihrer Mitgliederversammlung über eine Umbenennung in «Alternative Linke» befinden. Stefan Wyss mit einem Plädoyer für die Namensänderung.

Für die AL waren die Wahlen ein Erfolg. Zwar haben wir den Wiedereinzug in den Stadtrat nicht geschafft. Doch das gute Resultat von Tanja Maag zeigt, dass dies in Zukunft durchaus wieder ein realistisches Ziel sein kann. In Zürich konnten wir Wähler:innen hinzugewinnen und unsere acht Sitze verteidigen und in Winterthur sogar von zwei auf drei Sitze zulegen. Das ist in der aktuellen politischen Grosswetterlage nicht selbstverständlich. Es waren primär die beiden grössten Parteien, die zulegen konnten, und die Halbierungsinitiative hat viele, sonst wahlabstinente Wahlberechtigte mobilisiert, die die SP-Liste eingelegt haben.

Stabil trotz personeller Erneuerung

Das gute Wahlergebnis ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die AL in einem Erneuerungsprozess steckt. Viele bekannte Köpfe der AL bekleiden keine politischen Ämter mehr, figurierten nicht mehr auf Spitzenplätzen und sind heute eher im Hintergrund aktiv. Im Gemeinderat wird die AL mehrheitlich von Menschen vertreten, die in den letzten Jahren neu dazugestossen sind.

Mit einem neuen grafischen Auftritt wurde dieser Erneuerungsprozess sichtbar gemacht. Der Slogan «radikal sozial» trifft unsere Politik punktgenau und hat viele Menschen angesprochen. Wir konnten in den letzten Monaten viele neue Mitglieder und Aktivist:innen dazugewinnen – in einem Ausmass, wie schon lange nicht mehr.

Erfolgreiche «Reclaim»-Kampagnen

Mit den «Reclaim»-Kampagnen haben wir auf ein drängendes wohnpolitisches Thema aufmerksam gemacht. Und gezeigt, wie der SP-dominierte Stadtrat das Thema Business Apartments schleifen liess und sich – trotz erheblichem Druck der AL – jahrelang konstant weigerte, Gegenmassnahmen zu treffen. Heute sehen wir, zu welchem verheerenden Resultat diese Politik geführt hat. Mit «Reclaim Wiedikon», «Reclaim Chreis Cheib» und «Reclaim Züri-Nord» haben wir allein in vier Stadtkreisen knapp 1200 Business Apartments recherchiert und das Ausmass sichtbar gemacht.

«Alternative Linke» in Winterthur

Am 4. April 2027 werden Kantons- und Regierungsrat neu gewählt. Dabei stellt sich die Frage, ob die AL weiterhin «Alternative Liste» heissen will oder sich umbenennen soll zu «Alternative Linke», wie das in Winterthur bereits geschehen ist.

Als sich die AL Winti 2024 von ihren losen Strukturen verabschiedete und offiziell zu einer Partei wurde, war die Bezeichnung «Liste» nicht mehr passend. Dem Namen haftet etwas Unverbindliches an. Er klingt mehr nach einem Wahlbündnis als nach einer politischen Partei. Seither heisst die AL in Winterthur «Alternative Linke». Auf die Wahlen hatte die Umbenennung keinen negativen Einfluss. Im Gegenteil: Vielleicht war sie sogar hilfreich für die Mobilisierung und dafür, dass die AL in Winti zulegen konnte.

GV entscheidet über Umbenennung

Da wir für die kantonalen Wahlen mit gemeinsamen Listen antreten, macht es Sinn, dass die AL auch mit vollem Namen überall gleich heisst. Zumal unser bekanntes Kürzel «AL» auch beim Auswechseln von den zwei Buchstaben bestehen bleiben würde. Darüber entscheiden wir an der Mitgliederversammlung vom 26. Mai 2026.

Klares politisches Profil

«Alternative Linke» steht für eine Partei mit einem klaren politischen Profil. Eine, die mit parlamentarischen wie nichtparlamentarischen Mitteln die gesellschaftliche Entwicklung beeinflussen will. Treffsicherer kann man die AL und ihr politisches Programm eigentlich gar nicht bezeichnen.

Der Zeitpunkt für die Umbenennung scheint perfekt. Die AL befindet sich in einem Erneuerungsprozess und die Namensänderung gibt uns die Chance einer Neupositionierung, ohne unsere DNA in Frage zu stellen. Sie ist ein Statement für eine politische Kraft links der SP, die regional in Parlamenten tätig ist, sich aber auch überregional engagiert und die beunruhigenden weltpolitischen Entwicklungen nicht ignoriert. Ein Statement für eine Alternative innerhalb der Linken, die nicht Teil des Establishments ist.

«Alternative Linke» steht für Aufbruch und für die konsequente Weiterführung des bisherigen Erneuerungsprozesses. Damit es uns gelingt, noch mehr Menschen anzusprechen, die mit den herrschenden Ungerechtigkeiten nicht einverstanden sind.

Stefan Wyss war von 2012-19 AL-Vorstand und Mitglied der Wahlgruppe 2026. Er ist aktiv in der AL-Quartiergruppe Kreis 3 und hat dort die Reclaim-Wiedikon-Bewegung mitinitiiert.

Der Beitrag erschien im AL-Info 2/26, Seite 6.