- Nicole Wyss und Melanie Berner setzen sich dafür ein, politische Spitzenämter durch Top-Sharing zugänglicher zu machen. So sollen auch qualifizierte Menschen mit Care-Verpflichtungen die Möglichkeit erhalten, politische Verantwortung zu übernehmen.
- Mit dem Ansatz «Zusammen statt alleine» wollen sie eine vielfältige und solidarische Gesellschaft fördern, in der mehr Menschen politisch mitwirken können und der zunehmenden Vereinzelung entgegengewirkt wird.
Wissen Sie, welche Arbeitnehmenden am motiviertesten, am loyalsten und überdurchschnittlich leistungsbereit sind? Gemäss der Nachrichtensendung Rendez-vous vom 13. Oktober 2026 sind es Frauen zwischen 45 und 55.
Der Radiobeitrag nimmt Bezug auf eine Umfrage des Arbeitgeberverbands swissstaffing (Verband der Schweizer Personaldienstleister). Durch die Erkenntnis, welch wertvolle Arbeitnehmende Frauen in dieser Alterskategorie sind, folgt die Auseinandersetzung mit der Frage, wie diese Arbeitnehmenden im Beruf bzw. in der Arbeitswelt gehalten werden können. Swissstaffing hat herausgefunden, dass Frauen in diesem Alter ein extrem hohes Bedürfnis nach flexiblen Arbeits(zeit)modellen haben. Da viele von ihnen in dieser Lebensphase noch Kinder betreuen, bereits die Eltern unterstützen und trotzdem hochprozentig arbeiten. Dieses Jonglieren mit vielen verschiedenen Lebensbereichen wäre einfacher, wenn es flexiblere Arbeitsmodelle gäbe.
Heutzutage sind es zwar immer noch mehrheitlich, aber nicht mehr ausschliesslich Frauen, die Care-Arbeit leisten. Somit ist das Jonglieren mit verschiedenen Lebensbereichen für viele Menschen eine schwer zu meisternde Herausforderung. In dieser Situation für ein politisches Vollamt zu kandidieren, ist nur schwer vorstellbar. Damit sind Menschen in bestimmten Lebenssituationen faktisch von einem politischen Spitzenamt ausgeschlossen.
Wäre es allerdings möglich, ein politisches Vollamt – sprich 24/7 Erreichbarkeit an 365 Tagen im Jahr – im Jobsharing zu machen, sähe das eventuell anders aus. Wäre es trotz Care-Verpflichtungen möglich, ein politisches Spitzenamt innezuhaben, würde das Feld potentieller Kandidat:innen breiter und diverser.
Somit wären Menschen mit Care-Verpflichtungen nicht nur theoretisch wählbar. Es würde eine Möglichkeit geschaffen, dass sie tatsächlich kandidieren und somit auch tatsächlich wählbar werden. Dies entspricht dem demokratischen Grundgedanken, dass die Regierten jemanden aus ihrer Mitte wählen, sie zu regieren.
Darum haben wir – Nicole Wyss und Melanie Berner – uns entschieden, das Thema Jobsharing in einem politischen Spitzenamt zu lancieren.
Top-Sharing – das Jobsharing in einer Führungsposition – im Regierungsrat soll möglich werden.
Wir wollen den Zugang zu diesem Amt einem grösseren Personenkreis ermöglichen. Es darf nicht mehr courant normal sein, dass fähige und gut qualifizierte Menschen von diesem Amt ausgeschlossen sind, weil sie ein solches Pensum nicht stemmen können, da sie beispielsweise Care-Aufgaben wahrnehmen. Klar ist, dass ein Regierungsratssitz-Sharing, also eine Co-Kandidatur, so wie wir sie uns wünschen, mit der aktuellen Gesetzeslage nicht realisierbar ist. Darum kandidieren wir je für einen Sitz im Zürcher Regierungsrat. Wird eine von uns beiden gewählt, ist die andere zur Stelle, um sie im Rahmen des gesetzlich Möglichen zu unterstützen.
Die Vision, dass es für heranwachsende Generationen möglich sein kann, tatsächlich in einer Co-Konstellation zu regieren, treibt uns an. Sie motiviert uns, in diese Richtung eine Veränderung anzustossen und herbeizuführen. Wir sind überzeugt, dass zusammen statt alleine immer ein Gewinn ist. Für alle. Wir sind überzeugt, dass mehr zusammen eine der zentralen Handlungsoptionen darstellt, um sich gegen die zunehmende Vereinzelung und die damit einhergehende zunehmende Offenheit für ausgrenzende, spaltende und faschistische Ideologien zu positionieren. Wir sind überzeugt davon, dass eine solidarische Gesellschaft notwendig und auch möglich ist. Dafür setzen wir uns zusammen ein, dafür exponieren wir uns zusammen: zusammen (sind wir) mehr.
Veränderung ist möglich. Sie beginnt mit einem Gedanken und dem Willen, diesen Gedanken in die Realität umzusetzen. Oder wie es Schopenhauer ausgedrückt haben soll: «Ein neuer Gedanke wird zuerst verlacht, dann bekämpft, bis er nach längerer Zeit als selbstverständlich gilt.»
Dieser Beitrag erschien am 16.10.2026 im P.S. in der Rubrik „Meh Biss“.
(Bild ©Amanda Nikolic)
