- Hochhäuser schaffen nicht automatisch mehr Wohnraum, sind aber deutlich teurer in Bau und Betrieb und fördern damit hohe Mieten und Verdrängung statt die Lösung der Wohnungsnot.
- Die Vorlage des Stadtrats öffnet grosse Gebiete für Hochhäuser, ohne genügend soziale, ökologische und demokratische Leitplanken.
- Der Gemeinderat hat entscheidend nachgebessert: mehr demokratische Kontrolle, preisgünstiger Wohnraum bei Mehrausnützung, Gemeinschaftsräume und weniger Hochhauszonen. Deshalb sagt die AL am 27. September Nein zur Stadtratsvorlage und Ja zur Gemeinderatsvorlage.
Getretener Quark wird breit nicht stark, hat schon Goethe gesagt. Gleiches gilt für die Legende, die Stadt werde durch Hochhäuser verdichtet. In der Realität bestimmt die Zonenplanung wie viel Wohnfläche auf einem Grundstück maximal zulässig ist. Ein Hochhaus bringt also keinen Quadratmillimeter mehr Wohnraum, kostet aber rund 25 Prozent mehr in Bau und Betrieb. Wer teurer baut, muss teurer vermieten. Hochhäuser sind also primär ein Instrument der Renditeoptimierung und kein Beitrag zur Lösung der Wohnungsnot.
Die Vorlage des Stadtrats sieht gerade in Quartieren in Zürich Nord und Zürich West, wo sich Menschen mit kleinen Einkommen das Wohnen noch leisten können, ausgedehnte Hochhausgebiete vor. Ohne Gestaltungsplan lässt sich dort weder Kostenmiete einfordern noch ein Mehrwert für die Allgemeinheit schaffen. Hochhäuser schaffen keinen Grünraum, verbrauchen extrem viel graue Energie und verschlechtern das Mikroklima durch Schattenwurf und Fallwinde. Die Vorlage des Stadtrats ist kein Betriebsunfall: Sie entspricht einer Stadtentwicklungspolitik, die seit Jahrzehnten in “urbanen Träumen robuste Strukturen” schafft und Investitionsanreize und Aufwertung höher gewichtet als die Bedürfnisse der Bevölkerung – und damit deren Verdrängung in Kauf nimmt (siehe dazu auch den Blog-Beitrag von Niggi Scherr zum Gestaltungsplan Thurgauerstrasse). Hauptsache, ganze Quartiere werden mit einer zusammenhängenden Setzung von Gebäuden in Beschlag genommen und so eine starke bauliche Dichte etabliert. Das ist Odermatt’scher Brutalismus und nicht achtsame Stadtentwicklung.
Der Gemeinderat hat substanziell nachgebessert. Hochhäuser über 60 Meter benötigen einen durch den Gemeinderat genehmigten Gestaltungsplan – ein demokratisch legitimierter Schritt, der die planerische Willkür verhindert. Jegliche Mehrausnützung muss zwingend zu 100% für preisgünstigen Wohnraum nach § 49b PBG verwendet werden. Neu gilt ein Konkurrenzverfahren für alle Hochhäuser, nicht nur für die grössten. Erdgeschosse von Hochhäusern über 40 Meter müssen der Nachbarschaft offen stehen. Zwei Prozent der Bruttogeschossfläche müssen als Gemeinschaftsräume eingeplant werden. Und die vom Stadtrat vorgesehenen Zonen für 40-Meter-Hochhäuser werden massiv zusammengestrichen. Das sind keine kosmetischen Verbesserungen, sondern zentrale demokratische und soziale Garantien.
Beide Vorlagen erlauben Hochhäuser – aber unter grundlegend unterschiedlichen Bedingungen. Die Vorlage des Gemeinderats sichert demokratische Kontrolle, verlangt einen konkreten Mehrwert für das Gemeinwesen und schützt die Bevölkerung besser vor Verdrängung. Die AL empfiehlt zusammen mit der Parlamentsmehrheit: Ja zur Vorlage Gemeinderat (A.) und Nein zur Stadtratsvorlage (B.),– und in der Stichfrage die Vorlage Gemeinderat.