- Der heutige Berufsauftrag bildet den tatsächlichen Arbeitsaufwand ungenügend ab: Lehrpersonen leisten durchschnittlich knapp 1,5 Stunden unbezahlte Überzeit pro Tag.
- Der Lehrpersonal-Kompromiss korrigiert diesen Missstand: Der Lektionenfaktor wird erhöht und Klassenlehrpersonen erhalten mehr angerechnete Arbeitszeit – keine Lohnerhöhung, sondern weniger unbezahlte Arbeit.
- Gute Schule braucht Zeit und gute Arbeitsbedingungen: Die Anpassungen entlasten Lehrpersonen, stärken die Qualität der Volksschule und helfen, erfahrene Fachkräfte im Beruf zu halten. Deshalb sagt die AL am 27. September JA zum Lehrpersonalgesetz.
Am 27. September wird im Kanton Zürich über den Lehrpersonal-Kompromiss abgestimmt.
Er sorgt dafür, dass der tatsächliche Arbeitsaufwand von Lehrpersonen im Berufsauftrag fairer abgebildet wird. Damit schaffen der Kanton Zürich und seine Gemeinden Arbeitsbedingungen, die per Vertrag zugesichert sind. Diese sichern die hohe Qualität der Volksschule – eine Investition in die Kinder und damit auch in die Fachkräfte von morgen.
Im Abstimmungsbüchlein heisst die Vorlage trocken: Lehrpersonalgesetz (LPG) (Änderung vom 2. März 2026; Anpassung neu definierter Berufsauftrag). Doch worum genau geht es in dieser Vorlage und warum ist ein JA an der Urne für eine gute Schule wichtig?
Vor rund zehn Jahren wurde mit dem neuen Berufsauftrag (nBA) ein Jahresarbeitszeitmodell für Lehrpersonen eingeführt. Wichtiger Grund für diese Umstellung war, die Lehrpersonen vor Überlastung zu schützen. Die nachfolgende Evaluation des nBA zeigte klar, dass genau dieses Ziel nicht erreicht wird und es darum Anpassungen braucht. Der heutige Berufsauftrag deckt den tatsächlich anfallenden Arbeitsaufwand nur ungenügend ab und Lehrpersonen leisten durchschnittlich knapp 1,5 Stunden unbezahlte Überzeit pro Tag.
Konkret geht es einerseits um die Erhöhung des Lektionenfaktors. Der Lektionenfaktor ist die Anzahl Stunden, welche eine Lehrperson pro Wochenlektion pro Jahr für ihre Arbeit erhält. 80% der Lehrpersonen gaben in der Befragung an, dass dieser mit 58 Stunden zu tief ist. Der Kantonsrat hat darum beschlossen, dass dieser um eine Stunde erhöht werden soll. Andererseits hat der Kantonsrat beschlossen, dass die Pauschale für Klassenlehrpersonen von 100 auf 160 Stunden pro Jahr erhöht werden soll.
Eine gute Schule braucht Zeit. Das sehe ich als Mutter, aber auch als Schulpflegerin. Kinder brauchen Lehrpersonen, die Zeit haben – zum Zuhören, für individuelle Förderung, für Gespräche mit den Eltern und Zeit, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse einer Klasse einzugehen. Gerade heute, in einer immer komplexeren Welt, ist das wichtiger denn je.
Gute Bildung entsteht nicht nur im Klassenzimmer. Lehrpersonen bereiten den Unterricht vor und nach, begleiten Schülerinnen und Schüler, arbeiten mit Eltern zusammen, organisieren Projekte und Anlässe, lösen Konflikte und sorgen dafür, dass jedes Kind bestmöglich gefördert wird. Gesellschaftliche Herausforderungen und die Digitalisierung machen den Schulalltag heute komplexer als früher.
Und genau dafür brauchen Lehrpersonen genügend Zeit – mit dem zur Abstimmung kommenden Lehrpersonal-Kompromiss trägt der Berufsauftrag dem tatsächlichen Arbeitsaufwand besser Rechnung. Und erfahrene Lehrpersonen bleiben länger im Beruf, wovon Kinder und Schule nachhaltig profitieren.
Gegen den im Kantonsrat nach vielen Gesprächen gefundenen Kompromiss wurde von bürgerlicher Seite das Referendum ergriffen. Ich finde es skandalös, dass unbezahlte Mehrarbeit offenbar zum Zürcher Bildungssystem gehören soll! Ganz wichtig ist mir, dass es hier nicht um eine Lohnerhöhung geht. Es geht um das Überführen von Gratisarbeit in bezahlte Arbeit. Mit diesem Kompromiss kann der strukturelle Missstand wenigstens ein bisschen korrigiert werden, da der tatsächliche Arbeitsaufwand künftig besser und fairer abgebildet wird.
Es ist an der Zeit, die systemischen Mängel des neuen Berufsauftrags zu beheben und unseren fantastischen Lehrpersonen unsere Wertschätzung für ihre Arbeit zu zeigen. Darum sage ich überzeugt JA am 27. September zum Lehrpersonal-Kompromiss.
Dieser Beitrag erscheint auch am 2.9.2026 im Tagblatt der Stadt Zürich in der Rubrik „Forum der Parteien“.