«Positives AL-Ergebnis»

Im Gespräch mit dem P.S. zieht Co-Fraktionspräsident David Garcia Nuñez für die AL eine positive Wahlbilanz.

Die AL verlor bei diesen Wahlen 0,24 Prozent Wähler:innenanteil, gewann aber 1000 Wähler:innen dazu. Co-Fraktionspräsident und Gemeinderat David Garcia Nuñez erklärt, wieso er damit zufrieden ist und wie die AL in die nationale Politik kommen will.

Gian Hedinger: Wie beurteilen Sie das Wahlergebnis der AL?

David Garcia Nuñez: Für uns ist dieses Ergebnis positiv. Wir konnten im Gemeinderat unsere Sitze halten und Tanja Maag machte als Stadtratskandidatin ein sehr gutes Resultat. Trotz eines kleinen prozentualen Rückgangs haben wir gegen 1000 neue Stimmen mehr bekommen als bei den Wahlen 2022. Und das, obwohl die Vorzeichen nicht wirklich positiv standen.

Wie meinen Sie das?

Wir erleben aktuell auf der ganzen Welt ein Erstarken von rechter bis rechtsradikaler Politik. Dazu wirkt sich eine hohe Stimmbeteiligung, wie es sie dieses Mal gab, negativ auf die AL aus, da wir zwar eine treue Stammwähler:innenschaft haben, Wähler:innen jedoch, die nicht immer abstimmen, sich tendenziell für die grossen Parteien entscheiden. Zudem hatten wir im Laufe der letzten Legislatur viele Wechsel, bekannte AL-Gesichter wie Walter Angst sind nicht mehr im Gemeinderat. Wir wussten nicht, wie die Wähler:innen darauf reagieren würden.

Die AL ist in der nationalen Politik nicht vertreten, was zu weniger Medienberichterstattung und so zu weniger Aufmerksamkeit führt.

Der nächste Schritt wird sein, bei den Kantonsratswahlen nächstes Jahr stärker zu werden. Aktuell vertrauen uns viele Wähler:innen bereits in der kommunalen Politik, die aber die AL-Liste bei kantonalen und erst recht nationalen Wahlen nicht einwerfen. Daher müssen wir es schaffen, dass uns diese Personen in der kantonalen Politik als valable Option sehen und wir von dort den Sprung in die nationale Politik schaffen. Sonst starten wir in jeden Wahlkampf mit demselben Rückstand. Das zeigt sich auch bei diesen Wahlen: Die Wahlgewinner:innen in der Stadt Zürich waren die Bundesratsparteien, die in den Medien dementsprechend am meisten vorkommen.

Trotzdem schaffte Ihre Kandidatin Tanja Maag einen Achtungserfolg. Sie landete auf dem 11. Platz, vor Ueli Bamert von der SVP oder Serap Kahriman von der GLP. Zu Përparim Avidili von der FDP auf dem 10. Platz fehlten aber trotzdem noch 10 000 Stimmen.

Das Resultat zeigt, was Geld ausmachen kann. Zu Beginn des Wahlkampfs waren Tanja Maag und Përparim Avdili etwa gleich bekannt. Wir konnten für den Wahlkampf von Tanja Maag dann 50 000 Franken ausgeben, der Wahlkampf von Avdili hat wohl etwa 500 000 Franken gekostet. Pro zusätzliche Stimme gegenüber Tanja Maag hat Avdili also 45 Franken ausgegeben. Es zeigt, wie wichtig Geld in der Politik ist, und wir müssen eine Debatte führen, ob das so gerecht ist.

Aber auch im Vergleich zu Balthasar Glättli, dem Kandidaten mit den zweitwenigsten Stimmen aus dem linken Wahlbündnis, fehlen 17 000 Stimmen.

Da zeigt sich wieder das Problem mit der fehlenden Aufmerksamkeit. Zudem waren die Resultate aus den Umfragen vor den Wahlen deutlich schlechter, als es das Ergebnis am Ende war. Ich denke, das hat auch einige linke Wähler:innen abgeschreckt, Tanja Maag ihre Stimme zu geben.

Die Zusammenarbeit mit den anderen linken Parteien war auch vor vier Jahren ein Thema. Da beschwerte sich der AL-Kandidat Walter Angst danach über fehlende Unterstützung und über «Campaigner-Linke».

Bei diesen Wahlen sind wir mit der Zusammenarbeit zufrieden gewesen. Es gab zwar kleine Spannungen, etwa als unsere Vollversammlung beschlossen hat, nicht alle acht Kandidat:innen aus dem Bündnis für die Wahl zu empfehlen. Aber insgesamt hat das Bündnis funktioniert und wir spürten eine gegenseitige Unterstützung.

Aus: P.S. vom 13. März 2026