Endlich: Rosa erhält einen Platz

Sieben Jahre und viel Durchhaltevermögen brauchte es, bis die AL-Forderung nach einem Platz für Rosa Luxemburg verwirklicht wurde. Der Blog von AL-Co-Fraktionspräsident David Garcia Nuñez zur bizarren Debatte und zur Zürcher Nicht-Erinnerungskultur.

Die Revolutionärin Rosa Luxemburg verbrachte prägende Jahre in Zürich, studierte und promovierte an der Universität in Recht und Volkswirtschaftslehre und kämpfte als linke Jüdin und Migrantin gegen Nationalismus und Revisionismus. Dennoch wurde ihr in Zürich lange die öffentliche Anerkennung verweigert, während zahlreiche Strassennamen und Denkmäler problematischen Männern vorbehalten blieben, etwa Heinrich Bullinger oder Alfred Escher. Im letzten Herbst konnte sich der Stadtrat endlich dazu durchringen, ihr auf dem Vorplatz der neuen städtischen Siedlung Letzi an der Hohlstrasse 444 ein Denkmal zu setzen.

Bizarre Debatte

Die Debatte um die Platzbenennung war jedoch lang und bizarr. 2019 – 100 Jahre nach der Ermordung der deutschen Revolutionärin – reichte ich zusammen mit AL-Gemeinderätin Ezgi Akyol ein Postulat ein mit der Forderung „zu prüfen, ob der Park zwischen Badenerstrasse und Zweierstrasse den Namen Rosa-Luxemburg-Park erhalten kann“. Der Stadtrat signalisierte Zustimmung und im Juni 2021 – im Jahr des 150. Geburtstags von Rosa – wurde das Postulat trotz antikommunistischen Nebengeräuschen von FDP und SVP mit deutlichem Mehr überwiesen. Dann aber übernahm der Amtsschimmel die Regie. Zweimal stellte die grüne Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart – zugleich Präsidentin der Strassenbenennungskommission – mit wechselnder Begründung Antrag auf Abschreibung. Zunächst hiess es, der vorgeschlagene Ort sei ungeeignet, weil er dem Zweierplatz – notabene eine Strassen- und Tramwüste ohne jede Aufenthaltsqualität – „Konkurrenz“ mache; zudem würde eine Tafel „den Charakter der Grünanlage verändern“. Beim zweiten Mal gaben Stadtrat und Strassenbenennungskommission schlicht forfait: Es gebe im Moment „keinen geeigneten Ort“ für eine Benennung. Nur weil der Gemeinderat zweimal die Abschreibung verweigerte, kommt Rosa schliesslich zwar nicht zu einem Park, so doch zu einem Platz im Kreis 9.

google maps prescht vor

Gleichsam links überholt wurde die grüne Stadträtin in der Causa Luxemburg in der Zwischenzeit vom US-Techriesen Google. Schon seit längerem findet mensch nämlich auf google maps einen Rosa Luxemburg-Park samt Statue an exakt dem Ort, wo ihn die AL eigentlich gefordert hatte: auf der Wiese neben dem alten Gemeindehaus Aussersihl, in dem Nationalrätin Jacqueline Badrans IT-Firma ihre Büros hat. Dieser hellseherische und subversive Touch von google maps freut mich natürlich. Aber gleichzeitig haben wir es mit einem klassischen Fall von Fake News zu tun, der mir schwer zu denken gibt. Offensichtlich wurde Gemini, Googles KI-Assistent, auch mit Akten und Protokollen des Zürcher Gemeinderats gefüttert und trainiert. Und da der Wunsch der AL nach einem Rosa Luxemburg-Park in Aussersihl wegen der mehrfachen Ablehnung durch den Stadtrat zu über 20 Protokolleinträgen führte, wertet das Gemini offenbar als Zeichen, dass dem Anliegen stattgegeben wurde.

Fehlende Erinnerungskultur

Das Trauerspiel um den Rosa Luxemburg Platz passt nahtlos zur fehlenden politischen und kulturellen Erinnerungskultur der Stadt Zürich. Für die Gedenktafel der Spanienkämpfer konnte kein öffentliches Gebäude und kein öffentlicher Ort gefunden werden, sie ist jetzt am Volkshaus angebracht. Und der Nachlass des grossen Theatermanns Kurt Hirschfeld – wie Rosa Jude, Emigrant und Kommunist – liegt heute bei einer Stiftung in New York; seine Tochter hatte die Akten der Stadt angeboten, doch die zeigte kein Interesse. Und es brauchte das private Engagement von Stina Werenfels und Samir, um Hirschfeld ein filmisches Denkmal zu setzen. Die Kehrseite ist die Kultur des Verdrängens, die den Umgang mit Fluchtkunst und der Sammlung Bührle seit Jahren prägt.

Ein Fest für Rosa

Am 7. März wollen wir den Rosa-Luxemburg-Platz an ihrem Geburtstag feierlich einweihen. Da der vorgesehene Ort zurzeit noch eine Baustelle ist, treffen wir uns auf der Wiese neben dem alten Gemeindehaus Aussersihl an der Badenerstrasse 65, dort, wo die AL den Platz für Rosa eigentlich haben wollte. Wir laden euch herzlich zu einem solidarischen Brunch ein: Bringt Klappstühle, Decken, etwas zu essen oder zu trinken mit und wir teilen alles gemeinschaftlich. Die AL sorgt für Kaffee und Gipfeli und alles weitere, was für unser kleines Fest nötig ist. Es soll nicht nur gemütlich sein, sondern auch ein Ort der Begegnung, der Erinnerung und politischer Solidarität sein. Wir freuen uns, gemeinsam Rosa Luxemburg zu gedenken.