Der Körper ist längst zum politischen Kampfplatz geworden – zwischen Gesundheitsnorm, Leistungsdruck und der Frage, welche Körper dazugehören und welche nicht. Kay Matter kennt beide Seiten dieses Körpers: den kranken, erschöpften, aus der Reihe tanzenden Körper – und die Fantasien von Reinheit und Leistungsfähigkeit, gegen die er sich behaupten muss.
In Muskeln aus Plastik hat er als Erster im deutschsprachigen Raum literarisch über Long Covid geschrieben: über einen Körper, der nicht mehr funktioniert, wie er soll. Jetzt fragt er weiter: Was, wenn wir dem faschistischen Traum vom schönen, gesunden, unbeschädigten Volkskörper nicht nur widersprechen, sondern eine eigene Vorstellung entgegensetzen? Wie sieht ein Körper aus, der nicht total optimiert, sondern radikal solidarisch gedacht wird? Einer, der Schwäche, Abhängigkeit und Verletzlichkeit nicht verbirgt, sondern als Ausgangspunkt einer empathischeren Gesellschaft begreift?
Dieser Abend ist für alle, die genug haben vom Diktat der makellosen Körper und sich eine Utopie wünschen, in der Abhängigkeit und Verletzlichkeit nicht die Ausnahme sind, sondern selbstverständlicher Teil des körperlichen und auch sonstigen Zusammenlebens.
Kurzbio
Kay Matter, *1998, ist Autor und Dramatiker, aufgewachsen in Zürich und Norditalien. 2024 erschien sein Prosadebüt Muskeln aus Plastik bei Hanser Berlin, zuletzt schrieb er die Trilogie Stützliwösch Supertrans für das Schauspielhaus Zürich.
Zugänglichkeit
Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache und ohne Gebärdendolmetscher*in statt. Bis zum Veranstaltungsort sind einige Stufen zu bewältigen, da sich dieser im 4. Stock der Photobastei befindet. Es ist jedoch ein Lift vorhanden sowie ein rollstuhlgängiges WC im Erdgeschoss. Bitte denkt daran, bei Erkältungssymptomen eine Maske zu tragen – diese liegen für euch an der Türe bereit. Für alle, die die Veranstaltung von zu Hause aus geniessen möchten: Einige Tage später wird die Lesung als Stream auf unserer Website verfügbar sein.
Unsere Veranstaltungen sind nicht eintrittspflichtig. Kultur und jegliche Arbeit kosten aber, daher freuen wir uns über Spenden im Rahmen des Möglichen.
Für weitere Informationen zur Zugänglichkeit der Veranstaltung könnt ihr uns per Mail erreichen: sekretariat@al-zh.ch
Foto © Bahar Kaygusuz