(Bild: Tamino Kuny)
Lian, man hört es: Du kommst wie ich aus Basel.
Genau, ich bin in Basel aufgewachsen und zur Schule gegangen. Die Matura habe ich am mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium abgeschlossen, ich habe Spass an Mathe. Eigentlich hätte ich Astronautin werden wollen. In der Berufsberatung wurde mir dafür der Weg über Physikstudium und Kampfjetpilotin
empfohlen – zweiteres wollte ich dann doch nicht.
Du hast dann ein Architekturstudium an der ETH gemacht.
Nach einem Umweg über ein Jahr Vorkurs an der Schule für Gestaltung hab ich mich für Architektur entschieden: Statt mich bloss gestalterisch zu verwirklichen, wollte ich etwas produzieren, das von realen Bedürfnissen ausgeht. Heute bin ich Mitglied des siebenköpfigen Architektur-Kollektivs squadra. Mich interessieren Projekte, deren architektonisch Qualität über die Nutzung gemessen wird. Schwieriger wird es dort, wo Raum primär als Anlageobjekt gedacht ist. Daneben unterrichte ich Studierende im ersten Jahr Architektur an der ETH in «Entwurf». Zurzeit arbeite ich im Arbeitskreis sozialökologische Bauwende – unter anderem mit Antonia Steger von urban equipe – an einem Praxis-Leitfaden, der 2026 im Hochparterre-Verlag erscheinen soll.
Du hast mit einer Gruppe junger Architekt:innen die legendäre Arbeitsgruppe für Städtebau (ZAS) wieder ins Leben gerufen.
Die 1989 aufgelöste ZAS formierte sich 1959 gegen die rücksichtslosen Methoden des damaligen Stadtumbaus, etwa den Abriss der Fleischhalle am Limmatquai. Mit der Neugründung als ZAS* 2021 wollten wir der erneuten Ersatzneubauwelle und den Tabula-Rasa-Konzepten etwas entgegensetzen. Wir tauschten uns mit Mitgliedern von damals wie Beate Schnitter und Fritz Schwarz aus.
Neben der ZAS* gibt es auch noch das Ämtli für Städtebau.
Die ZAS* konnte 2024 den ehemaligen Ticket-Pavillon am Werdmühleplatz übernehmen und hat dort bis diesen Sommer Gastrecht – als Ämtli für Städtebau, die freche kleine Schwester des benachbarten Amts für Städtebau. 2024 haben wir gleichzeitig die Bewerbung für ein Gastsemester an der ETH gewonnen
und dort intensive Diskussionen über das Wachstum der Stadt Zürich und die Möglichkeiten im Bestand geführt.
Du bist im letzten Jahr der AL beigetreten. Wie bist du zur Politik gekommen?
Über meine Sachthemen. Da spürst du, wie stark die Politik die Rahmenbedingungen bestimmt. Etwa, als wir als ZAS* 2021 den Kampf gegen den geplanten Abbruch der Triemli-Personalhochhäuser aufnahmen. Parallel zu unserem spekulativen Ideenwettbewerb für ein «Stadthotel Triemli» waren Interventionen auf politischer Ebene erforderlich. Regula Fischer und Wädi Angst von der AL und Marco Denoth von der SP haben dazu Anfragen und Postulate eingereicht. Eigentlich hatte ich Vorbehalte gegenüber der Parteipolitik und ihre Exponent:innen. An Podien zu meinen Themen habe ich immer wieder erlebt, wie Politiker:innen an festgefahrenen Positionen festhalten und sich in der Öffentlichkeit wenig flexibel zeigen. Gleichzeitig verstehe ich, dass eine klare Haltung und eine gewisse Konsistenz wichtig sind, um andere politisch vertreten zu können. Die Klarheit, mit der Tanja Maag und Patrik Maillard im Gemeinderat für den Erhalt der Seebahnhöfe votiert haben, und der Mut, den es dafür brauchte, haben mir gefallen. Und mich motiviert, bei der AL aktiv einzusteigen, wo ich in der AG Wohnen & Planung mitmache. Im Moment absolviere ich eine Weiterbildung am Curem, um auch das ökonomische Narrativ der Immobilienwirtschaft besser zu verstehen. Mein voraussichtliches Thema für die Abschlussarbeit: die BZO-Revision und ihre sozialen Auswirkungen.
Lian Stähelin kandidiert für die AL auf der Gemeinderatsliste im Wahlkreis 4+5.
Das Interview erschien im AL-Info 1/26, S. 3.