{"id":87,"date":"2021-10-12T13:45:56","date_gmt":"2021-10-12T11:45:56","guid":{"rendered":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/?post_type=glossary&#038;p=87"},"modified":"2025-05-12T11:26:20","modified_gmt":"2025-05-12T09:26:20","slug":"rationierung","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/glossary\/rationierung\/","title":{"rendered":"Rationierung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Rationierung muss im Rahmen einer \u00abZwangssituation\u00bb auf Sinnvolles und Angemessenes verzichtet werden. Rationierung im Gesundheitswesen bedeutet die Verweigerung von n\u00fctzlichen und berechtigten Gesundheitsleistungen oder jeder implizite oder explizite Mechanismus, der dazu f\u00fchrt, dass Personen eine potenziell Nutzen bringende Leistung nicht erhalten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Explizite (= offene) Rationierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei expliziter Rationierung handelt es sich um ausdr\u00fccklich geregelte Einschr\u00e4nkungen wie Leistungsausschl\u00fcsse, die Festlegung von Versorgungsstandards oder die St\u00e4rkung der Eigenverantwortung durch den Ausschluss bestimmter Risiken. Dieser Form der Rationierung liegen Kriterien wie das Alter der Versicherten oder die Kosteneffektivit\u00e4t oder der medizinische Nutzen einer Behandlung zugrunde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Implizite (= verdeckte) Rationierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Implizite Rationierung bedeutet eine generelle Einschr\u00e4nkung ohne Nennung einzelner rationierter Leistungen, meist als Folge von Budgetierungen oder Deckelung der Gesamtausgaben. Im Unterschied zur expliziten Rationierung m\u00fcssen hier Leistungsanbieter:innen die konkreten Rationierungsentscheidungen selber treffen im Sprechzimmer oder am Krankenbett. Die Unterscheidung zwischen offener und verdeckter Rationierung bezieht sich auf die Entscheidungstransparenz in ambulanten Konsultationen oder am Krankenbett. Entscheidungen aufgrund verdeckter Rationierung werden Patient:innen normalerweise verheimlicht \u2013 aus Sicht der \u00c4rzt:innen verst\u00e4ndlich, denn sie zerst\u00f6ren das Vertrauensverh\u00e4ltnis.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weiche und harte Rationierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei \u00abweicher Rationierung\u00bb geht es um die Leistungsverweigerung aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden, welche ausschliessliche den Bereich der solidarisch finanzierten Grundversorgung tangiert. Diese ist zutiefst ungerecht, da die rationierte Leistung f\u00fcr Reiche problemlos zug\u00e4nglich ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abHarte\u00bb Rationierung bedeutet, dass die Leistungen auch auf dem privaten Markt nicht zug\u00e4nglich sind wie zum Beispiel \u00abverf\u00fcgbare Organe\u00bb f\u00fcr eine Organtransplantation, fehlende COVID-Impfstoffe. Hier k\u00f6nnen Reiche ihre Privilegien weniger gut ausn\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Beispiele f\u00fcr Rationierungsmassnahmen im Medizin- und Pflegealltag:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Vorzeitige Entlassungen aus dem Spital<\/li>\n\n\n\n<li>Keine \u00dcberweisung an Spezialist:innen<\/li>\n\n\n\n<li>Abgelehnte Rehabilitation<\/li>\n\n\n\n<li>Nicht ausgef\u00fchrte pflegerische Massnahmen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff \u00abRationierung\u00bb ist eine Beschreibung und gleichzeitig ein Werturteil. Die Grenzen zwischen notwendigen und n\u00fctzlichen, zwischen n\u00fctzlichen und wohltuenden und auch jene zwischen sinnvollen und sinnlosen bzw. sch\u00e4dlichen Behandlungen sind stets fliessend und sind immer mit Wertvorstellungen verbunden, also nicht objektiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weder bei einem Verzicht auf sinnlose oder gar sch\u00e4dliche Interventionen geht es jedoch um F\u00e4lle von Rationierung, im Gegensatz zum Vorenthalten von medizinisch indizierten \u2013 also sinnvollen Leistungen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine <strong>verdeckte Rationierung<\/strong> l\u00e4sst Patient:innen nie frei entscheiden, da ihnen eine wichtige Information vorenthalten wird, n\u00e4mlich jene der verdeckten Rationierungsbem\u00fchungen! Eine solche Art der Rationierung ist auch eine nicht akzeptable Zusatzbelastung f\u00fcr das Gesundheitspersonal: der Loyalit\u00e4tskonflikt oder die doppelte Verantwortung, als \u00abAnw\u00e4lt:in von Patient:innen\u00bb und \u00abAnw\u00e4lt:in des Spitalbudgets\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine <strong>explizite Rationierung <\/strong>verlangt zwar Klarheit der Kriterien und Transparenz von Entscheidungen und gew\u00e4hrleistet nat\u00fcrlich lebensrettende Massnahmen. Dennoch ist Rationierung im Gesundheitsbereich immer sozial selektiv, da Reiche die rationierten Massnahmen auch selber bezahlen k\u00f6nnen. Abgesehen von absolut indiskutablen Kriterien wie Religion, Geschlecht, ethnische Herkunft, S\u00fcchte oder Risikosport sind weitere zu verwerfen, selbst wenn sie keine Diskriminierung im rechtlichen Sinne darstellen, wie der sozio\u00f6konomische Status.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die AL lehnt die Rationierung von vorhandenen Gesundheitsleistungen aus Spargr\u00fcnden strikt ab, da sie f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung sozial ungerecht und f\u00fcr das Gesundheitspersonal eine unzumutbare Belastung sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Alternativen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine m\u00f6gliche und ethisch korrekte Antwort auf drohende Rationierungsmassnahmen w\u00e4re zum Beispiel ein <strong>Shared Decision Making<\/strong> (= SDM), d.h. eine partizipative Entscheidungsfindung. Dies ist eine Form der Kommunikation zwischen Gesundheitsfachkraft und Patient:in. Sie sieht den laienverst\u00e4ndlichen Austausch von Informationen vor \u00fcber m\u00f6gliche Abkl\u00e4rungs- und Behandlungsschritte und deren Erfolgschancen beziehungsweise Risiken. Die Patient:in ist in alle wichtigen Aspekte der Behandlung einbezogen und bespricht die eigenen Anliegen und Pr\u00e4ferenzen offen. Ziel ist es, gemeinsam \u00fcber eine angemessene medizinische Behandlung zu entscheiden und diese zu verantworten.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Shared Decision-Making k\u00f6nnte ein Weg zu einer angemessenen, individuellen, bedarfs- und bed\u00fcrfnisgerechten Gesundheitsversorgung sein. Um diesen Weg zu beschreiten, gilt es, sich einer paternalistischen Haltung (\u00abIch bin \u00c4rzt:in, ich weiss es also besser\u00bb) zu entledigen und den Patient:innen auf Augenh\u00f6he zu begegnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Rationierung muss im Rahmen einer \u00abZwangssituation\u00bb auf Sinnvolles und Angemessenes verzichtet werden. Rationierung im Gesundheitswesen bedeutet die Verweigerung von n\u00fctzlichen und berechtigten Gesundheitsleistungen oder jeder implizite oder explizite Mechanismus, der dazu f\u00fchrt, dass Personen eine potenziell Nutzen bringende Leistung nicht erhalten.&nbsp; Explizite (= offene) Rationierung Bei expliziter Rationierung handelt es sich um ausdr\u00fccklich geregelte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"glossary-cat":[3],"class_list":["post-87","glossary","type-glossary","status-publish","hentry","glossary-cat-hintergrundinformation"],"acf":[],"distributor_meta":false,"distributor_terms":false,"distributor_media":false,"distributor_original_site_name":"AL Gesundheitsgruppe","distributor_original_site_url":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit","push-errors":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/87","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/wp-json\/wp\/v2\/glossary"}],"about":[{"href":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/wp-json\/wp\/v2\/types\/glossary"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/87\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":253,"href":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/wp-json\/wp\/v2\/glossary\/87\/revisions\/253"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87"}],"wp:term":[{"taxonomy":"glossary-cat","embeddable":true,"href":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/wp-json\/wp\/v2\/glossary-cat?post=87"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}