{"id":197,"date":"2022-06-08T11:42:04","date_gmt":"2022-06-08T09:42:04","guid":{"rendered":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/?post_type=glossary&#038;p=197"},"modified":"2025-05-12T11:32:34","modified_gmt":"2025-05-12T09:32:34","slug":"spekulation-um-praemienfinanzierte-gewinne-aus-der-grundversorgung","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/glossary\/spekulation-um-praemienfinanzierte-gewinne-aus-der-grundversorgung\/","title":{"rendered":"Spekulation um pr\u00e4mienfinanzierte Gewinne aus der Grundversorgung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Profitgier nimmt auch im Gesundheitswesen zu<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wettbewerb im Gesundheitswesen macht einige Investor:innen reich und l\u00e4sst die OKP-Pr\u00e4mien weiter ansteigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Private und institutionelle Investor:innen haben das Gesundheitswesen als neues Gesch\u00e4ftsfeld entdeckt und erzielen gute Gewinne \u2013 teilweise auch mit Geldern aus der OKP. Diese Investor:innen sind im Gesundheitssystem fremd und haben einzig das Ziel, in diesem Milliardenmarkt m\u00f6glichst hohe Profite zu erzielen. Dabei gehen sie kaum ein Risiko ein, da die Sozialversicherungen zuverl\u00e4ssige Zahlerinnen sind. Es sind inzwischen nicht mehr nur die altbekannten Firmen wie<strong> Hirslanden und Swiss Medical Network (fr\u00fcher Genolier)<\/strong>, sondern auch neue, teilweise auch ausl\u00e4ndische Investor:innen, welche nicht nur im station\u00e4ren, sondern zunehmend <strong>auch im ambulanten Bereich<\/strong> ihr Gl\u00fcck suchen und auf den Schweizer Markt dr\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den schon l\u00e4nger bestens funktionierenden Gruppenpraxen, welche sich erfreulicherweise um die integrierte Versorgung ihrer Patient:innen bem\u00fchen, stehen immer mehr \u00f6ffentliche und private Spit\u00e4ler sowie Investor:innen gegen\u00fcber, welche ambulante Zentren aufkaufen oder neu er\u00f6ffnen. \u00d6ffentliche und vor allem private Spit\u00e4ler m\u00f6chten sich dadurch in erster Linie die lukrativen Zusatzversicherten sichern. Hirslanden f\u00fchrt bereits mehrere Gesundheitszentren in s\u00e4mtlichen Sprachregionen der Schweiz. Sowohl das USZ wie auch das Spital B\u00fclach f\u00fchren ambulante Zentren am Flughafen Z\u00fcrich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Spital Einsiedeln wurde von der deutschen <strong>AMEOS-Gruppe<\/strong> \u00fcbernommen, der deutsche Konzern <strong>Fresenius<\/strong> betreibt mit den von ihm produzierten Dialysemaschinen bereits diverse Dialysepraxen der Schweiz. Im Bereich der Urologie wird <strong>Uroviva<\/strong> unter Mitwirkung der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft ECM GmbH immer mehr zum Monopolisten f\u00fcr den Bereich der ambulanten wie auch station\u00e4ren Urologie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie es herauskommen kann, wenn ein privater Investor eine Praxiskette aufbaut, haben wir am Beispiel der Praxiskette \u00ab<strong>Mein Arzt<\/strong>\u00bb gesehen. So ist auch der Auf- und Ausbau von Praxisketten wie \u00c4rztezentren Deutschschweiz AG bzw. <strong>Doktor-Huus AG<\/strong> kritisch zu hinterfragen, da auch hier externe Investor:innen beteiligt sind. Weniger heikel ist die Situation bei Medbase, da hier MIGROS als Investor genossenschaftlich organisiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das \u00abGesch\u00e4ft mit dem Alter\u00bb lockt private Investor:innen an.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Institution Pflegeheim \u2013 ein Tummelplatz f\u00fcr Rendite-Riesen<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Capvis<\/strong> ist ein f\u00fchrender europ\u00e4ischer Investor f\u00fcr \u00ab<em>mittelst\u00e4ndische Beteiligungen\u00bb<\/em>. Ein Haus wo <em>ein \u00aberstklassiges Management-Team mit Marktverst\u00e4ndnis und einer entsprechenden Strategie\u00bb<\/em> dahinter steht, sind Ziele von Wachstum und Profit un\u00fcbersehbar! Ausgerechnet Capvis hat 2020 von einem anderen Player die <strong>Tertianum<\/strong>&#8211;<strong>Gruppe<\/strong> abgekauft hat. Tertianum ist als <em>\u00abSchweizer Marktf\u00fchrer f\u00fcr Leben und Wohnen im Alter\u00bb<\/em> bekannt und umfasst \u00fcber 3270 Pflegebetten in rund 80 Wohn- und Pflegezentren sowie Residenzen in allen Ecken der Schweiz. Beim Kauf wurden auch die rund 4700 Mitarbeitenden und das Management der Tertianum Gruppe \u00fcbernommen. \u00dcber den Transaktionspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Zwei der drei Sitze im Verwaltungsrat werden durch Capvis besetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich wie Tertianum ist auch die Nummer zwei, <strong>Senevita<\/strong>, im privaten Schweizer Pflegeheimmarkt positioniert. Senevita besch\u00e4ftigt ebenfalls \u00fcber 4000 Angestellte an zahlreichen Standorten in der Schweiz und geh\u00f6rt seit 2014 zu Orpea. Die <strong>Orpea-Gruppe<\/strong> ist ein franz\u00f6sisches Unternehmen im Bereich der Pflege und Rehabilitation. Es betreibt 854 Pflege- und Gesundheitseinrichtungen mit 86.757 Betten in 11 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und China. In Bezug auf negative Schlagzeilen toppt Senevita die Konkurrentin: Sparmassnamen, Personalmangel, F\u00fchrungsprobleme und eine Konzernleitung, die auf dem Papier alles sch\u00f6n aussehen l\u00e4sst, in Wahrheit aber nur Rendite verfolgt \u2013 eine Katastrophe, belegt durch ein k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichtes Buch des franz\u00f6sischen Journalisten Victor Castanet: <em>Les Fossoyeurs<\/em> (die Totengr\u00e4ber). Es enth\u00fcllt die <strong>Gesch\u00e4ftspraktiken von Orpea<\/strong>, die selbst vor einer Rationierung von Windeleinlagen nicht zur\u00fcckschreckt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Spitex<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00f6ffentliche Spitex ist dazu verpflichtet, jede Anmeldung zu ber\u00fccksichtigen und alle Kund:innen in der jeweiligen Gemeinde innert n\u00fctzlicher Frist zu versorgen. Private Anbieter k\u00f6nnen hingegen eine Auswahl treffen und sich auf rentable Auftr\u00e4ge konzentrieren. Gewinnorientierte Spitex-Anbieter:innen schiessen derweil wie Pilze aus dem Boden. Allein im Raum Z\u00fcrich zeigen sich auf Anfrage nach Postleitzahl neben den bereits Etablierten, gr\u00f6sseren Firmen wie <strong>Permed<\/strong>, <strong>PHS<\/strong>, <strong>Home instead usw.<\/strong> rund vierzig private Anbieter:innen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Ziel weiter zu wachsen, fordern solche Gewinnorientierte Spitex-Anbieter:innen wiederholt mehr Wettbewerb und einen Teil vom Kuchen an der Grundversorgung, und zwar vor allem dort, wo sie gut vertreten sind. Randregionen d\u00fcrfen gerne vom Staat weiterversorgt werden. Ein Ausschreibepflicht von Versorgungsauftr\u00e4gen gibt es nicht. Gemeinden und Kantone k\u00f6nnen gl\u00fccklicherweise frei entscheiden, mit welchem Betrieb sie Leistungsvereinbarungen treffen und das soll auch so bleiben. Nur auf diesem Weg kann auf demokratischem Weg sichergestellt werden, dass Leistungsvereinbarungen ausschliesslich mit \u00f6ffentlichen Non-profit-Organisationen festgelegt werden!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Grosse Abh\u00e4ngigkeit von Sparideen bei privaten Gesundheitsorganisationen <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In privaten Pflegeinstitutionen oder privaten Spitex-Organisationen werden aus Gr\u00fcnden der Rentabilit\u00e4t schnell und gern<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>pflegerische Leistungen eingespart,<\/li>\n\n\n\n<li>Stellenschl\u00fcssel nach Fachkr\u00e4ften untergraben<\/li>\n\n\n\n<li>und Personal abgebaut.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im privaten Spitex-Sektor sind kantonale Betriebsbewilligung und eine Zahlstellenregister-Nummer eines Krankenversicherers das absolute Minimum an Professionalit\u00e4t. Die Pflegequalit\u00e4t wird mit wenigsten Ausnahme in Selbstkontrolle \u00fcberpr\u00fcft, was alles andere als verbindlich ist. Werden Verluste geschrieben, werden typischerweise die Arbeitsbedingungen und L\u00f6hne in Pflege und Betreuung angegangen<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>durch Flexibilisierung,<\/li>\n\n\n\n<li>Anstellungen im Stundenlohn,<\/li>\n\n\n\n<li>kein Auszahlen von Fahrspesen, etc.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Plattform Kununu (Arbeitgeberbewertung) kommt z.B. <strong>PHS<\/strong> \u00e4usserst schlecht weg. Der Betrieb vermittelt ausschliesslich Tempor\u00e4r- und Springerpersonal und dies bei unterirdischen L\u00f6hnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Gesundheitsversorgung ist eine Service-Public-Aufgabe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist die Aufgabe des Staates Versorgungsstrukturen in infrastruktureller-, personaler,- wie auch finanzieller Art sicherzustellen sowie Qualit\u00e4tsstandards und verbindliche ad\u00e4quate Arbeitsbedingungen festzulegen. Die Versorgung betagter- und kranker Menschen darf nicht dem Rentabilit\u00e4tsprinzip unterliegen! Pflege geht nur ohne Profit! Es geht nicht an, dass pr\u00e4mienfinanzierte Gelder aus der OKP in die Taschen von institutionellen Investor:innen fliessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die AL fordert, dass s\u00e4mtliche im OKP-Bereich erwirtschafteten Gewinne in die Gesundheitsversorgung reinvestiert werden. Zudem ist weiterhin zu verhindern, dass \u00f6ffentliche Spit\u00e4ler verkauft, in Aktiengesellschaften umgewandelt und zu Luxuskliniken gemacht werden. <\/strong><strong>Gewinnmaximierung, fehlende Pflegekr\u00e4fte und mangelnde Aufsicht sind eine t\u00f6dliche Mischung &#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8230; oder wie es der Ratsvorsitzender der&nbsp;World Medical Association<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frank Ulrich Montgomery ausdr\u00fcckt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>\u00abDie \u00d6konomie muss den Zielen der Medizin dienen \u2013 und nicht umgekehrt\u00bb!<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Profitgier nimmt auch im Gesundheitswesen zu Der Wettbewerb im Gesundheitswesen macht einige Investor:innen reich und l\u00e4sst die OKP-Pr\u00e4mien weiter ansteigen. 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