{"id":152,"date":"2021-10-28T20:57:09","date_gmt":"2021-10-28T18:57:09","guid":{"rendered":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/?post_type=glossary&#038;p=152"},"modified":"2025-05-12T11:29:34","modified_gmt":"2025-05-12T09:29:34","slug":"pharmapolitik","status":"publish","type":"glossary","link":"https:\/\/al-zh.ch\/gesundheit\/glossary\/pharmapolitik\/","title":{"rendered":"Pharmapolitik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der <strong>Entwicklung neuer Medikamente<\/strong> entscheiden sich die Pharmakonzerne in den letzten Jahrzehnten zunehmend f\u00fcr Produkte zur Behandlung chronischer Erkrankungen wie z.B. Diabetes, Bluthochdruck, Cholesterinerh\u00f6hung und Rheuma, die von den Betroffenen oft jahrzehntelang eingenommen werden m\u00fcssen. Ebenfalls sehr lukrativ sind Krebsmedikamente, f\u00fcr die wegen des immanenten Sterberisikos ph\u00e4nomenale Preise durchgesetzt werden. Zu kurz kommen die Antibiotika, welche meist nur kurzfristig genommen werden m\u00fcssen und die Impfstoffe, wie gerade zu Zeiten von Corona deutlich wird. F\u00fcr medizinische Leistungserbringer:innen verlangt das KVG in Art. 56 \u00abWirksamkeit, Zweckm\u00e4ssigkeit und Wirtschaftlichkeit\u00bb ihrer Leistungen. Bei der Marktzulassung von Medikamenten und Medizinalapparaten soll k\u00fcnftig ebenfalls diese WZW-Richtlinie eingehalten werden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-al-white-color has-al-magenta-background-color has-text-color has-background is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Die AL verlangt eine Mitbestimmung der Gesellschaft bei den Forschungszielen der Pharmaindustrie. Die Medikamentenentwicklung soll sich an den Bed\u00fcrfnissen der Menschen und nicht an den Profitinteressen der Investor*innen orientieren.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pharma- und Medizinalapparatekonzerne sind derart m\u00e4chtig, dass es ihnen bisher gelang, allen nationalen Regierungen die <strong>Transparenz der Preisbildung<\/strong> zu verweigern. Die Forschungs- und Entwicklungskosten (F+E) werden zu hoch angegeben, da die Grundlagenforschung der steuerfinanzierten Universit\u00e4ten nicht ad\u00e4quat abgegolten wird. Public-Relations-Kosten (PR) wie Lobbying und Sponsoring sind dagegen sicher h\u00f6her als von der Pharma deklariert. Meist werden die Preise von neuen Medikamenten zuerst von der amerikanischen Gesundheitsbeh\u00f6rde FDA (Federal Drug Administration) festgelegt, welche in den vergangenen Jahrzehnten massiv dereguliert wurde und deshalb hohe Preise erlaubt. Um ihre Produkte in anderen L\u00e4ndern loszuwerden, gew\u00e4hren die Firmen einzelnen Staaten Rabatte, unter der Bedingung der Geheimhaltung der H\u00f6he dieses Preisnachlasses.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-al-white-color has-al-magenta-background-color has-text-color has-background is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<ol start=\"2\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Die AL verlangt eine Offenlegung und staatliche Kontrolle der Ausgaben f\u00fcr F+E und PR sowie die Einhaltung der<\/strong><s><strong>,<\/strong><\/s><strong> durch die Schweiz ratifizierten WHO-Transparenzresolution.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wichtiger Grundstein des lukrativen Pharmagesch\u00e4ftes sind die <strong>Patente<\/strong>. Sie sollen Unternehmen f\u00fcr die Entwicklung von Innovationen entsch\u00e4digen, indem sie andere daran hindern, ihr Medikament herzustellen und zu verkaufen. Nach Ablauf eines Patentes k\u00f6nnen andere Firmen sogenannte Generika produzieren, billigere Nachahmerprodukte mit identischem Wirkstoff. Seit 1995 verpflichtet das TRIPS-Abkommen der WTO (Welthandelsorganisation) alle Mitgliedsl\u00e4nder, auch die Schweiz, eine 20-j\u00e4hrige Lizenz zu gew\u00e4hren. Allerdings sieht TRIPS auch vor, dass Staaten patentierte Medikamente mittels Zwangslizenzen g\u00fcnstiger herstellen d\u00fcrfen wenn immer das \u00f6ffentliche Interesse nicht gew\u00e4hrleistet ist. Dies gilt nicht nur f\u00fcr Schwellen- und \u00e4rmere L\u00e4nder, sondern auch f\u00fcr die Schweiz. Die reicheren L\u00e4nder wie die Schweiz verweigern allerdings bisher die Anwendung von Zwangslizenzen dank erfolgreichem Lobbying der Pharmaindustrie.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-al-white-color has-al-magenta-background-color has-text-color has-background is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<ol start=\"3\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Die AL verlangt generell die Abschaffung der Patentierung von Medikamenten und <\/strong><strong>Medizinalprodukten<\/strong><strong>.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Umsetzung der bisherigen Forderungen d\u00fcrfte einigermassen schwierig sein, da ein immenses Machtgef\u00e4lle zwischen den Schweizer Beh\u00f6rden und den Pharmamultis besteht. Zur Vermeidung eines Versorgungsnotstandes \u2013 sei dies nun wegen fehlender Antibiotika oder Impfstoffe oder wegen exorbitanter Preisforderungen \u2013 gibt es kurz- und mittelfristig nur eine wirksame L\u00f6sung:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-al-white-color has-al-magenta-background-color has-text-color has-background is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<ol start=\"4\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Die AL fordert den sofortigen Aufbau einer staatlichen Pharmaproduktion f\u00fcr die wichtigsten Medikamente und Impfstoffe.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Entwicklung neuer Medikamente entscheiden sich die Pharmakonzerne in den letzten Jahrzehnten zunehmend f\u00fcr Produkte zur Behandlung chronischer Erkrankungen wie z.B. Diabetes, Bluthochdruck, Cholesterinerh\u00f6hung und Rheuma, die von den Betroffenen oft jahrzehntelang eingenommen werden m\u00fcssen. 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