Verkehr

Verkehrspolitik

Verkehrspolitik hängt untrennbar mit der Siedlungs- und Stadtentwicklungspolitik zusammen. Trotz poli­tisch rot-grüner Welle wurden in den letzten Jahren leider etliche verkehrsplanerische Tiefpunkte gesetzt. Oft und unübersehbar im Zusammenhang mit Überaufwertungen und Neuentwicklungen von Quartieren, der Aufblähung Zürichs zur „Boomtown Switzerland“ - so die quartierzerstörerische 30m-Neufranken­schneise im Kreis 4 oder der Ausbau der Stadtautobahn Pfingstweidstrasse in Zürich-West. Beide Vorhaben hat die AL gegen eine Koalition von FDP, SP und Grünen vergeblich mit Referenden bekämpft.

Insbesondere das grossräumigere Strassennetz soll die Stadt vor Durchgangsverkehr bewahren. Der moto­risierte Ziel-, Quell- und Binnenverkehr, den die Stadt hervorbringt, belastet uns Bewohnerinnen und Be­wohner mehr denn genug; wir wollen nicht auch noch den nationalen Durchgangsverkehr einatmen. Mit seiner Neuauflage des Ypsilon (neudeutsch: Stadttunnel), der Verknotung der nationalen Autobahnen von drei Seiten in der Stadtmitte, ist der Stadtrat auf dem Holzweg.

Entlastung, speziell der Wohnquartiere, von Verkehrsemissionen ist begrüssenswert und anzustreben, doch erwarten wir, dass immer auch andere Folgen wie die Entwicklung der Boden- und Mietpreise und die sozi­ale Quartierentwicklung beachtet werden. Eine dunkelgrüne Verkehrspolitik, die in der Folge zu einer Ver­drängung der tieferen Einkommensklassen aus der Kernstadt führt, lehnen wir als zu einseitig ab. Diese un­umgängliche Interessenabwägung kann durchaus auch im Einzelfall für das Beibehalten einer nicht opti­malen Verkehrsführung sprechen.

Eine gute Durchmischung von Wohnen und Arbeiten verringert die arbeitsbedingte Mobilität. Kurze Wege und eine Steuerung des Mobilitätsverhaltens über die Infrastruktur sind möglichst frühzeitig in jedem Pla­nungsprozess zu bedenken. Ziel ist grundsätzlich sowohl die Reduktion der Verkehrsbewegungen als auch eine Verbesserung des Modalsplits zugunsten von FussgängerInnen, Velo und öffentlichem Verkehr. Rad- und Fussgängerstreifen müssen Standard sein auf Strassen, die eine Geschwindigkeit von über 30 km/h zu­lassen.

Unsere Verkehrspolitik nimmt klar Partei für umwelt- und menschenfreundliche Fortbewegungsarten, attraktive Angebote für diese und für die Verbesserung der Sicherheit von schwächeren Verkehrsteilneh­merInnen. Jede und jeder, auch Kinder, ältere und mobilitätsbehinderte Menschen, sollen in Zürich unge­hindert unterwegs sein können. Wir verdammen das Auto nicht in der Totale, doch es soll nur wo nötig und sinnvoll zum Einsatz kommen, z.B. für mobilitätsbehinderte Menschen, Servicefahrzeuge und Gewerbebe­triebe. Ein grosser Teil der ZürcherInnen hat erkannt, dass Wohnen in der Stadt kein Auto braucht. Das sollte sowohl in der Planung und Umsetzung der (Strassen-)infrastruktur berücksichtigt als auch aktiv un­terstützt werden. Massnahmen zur Verhaltenslenkung wie Road Pricing können nur unterstützt werden, wenn garantiert ist, dass die Erträge nicht für Strassenbauvorhaben oder den motorisierten Individualver­kehr eingesetzt werden.

Unsere Forderungen:

  • Vernetzes Denken mit sozialräumlicher Entwicklung in Verkehrs- und Stadtentwicklung

  • Stadt als Wohn- und Lebensraum und nicht als automobiles "Raser"-Paradies

  • Förderung ökologischer und zukunftsgerichteter Fortbewegungsarten

  • Keine Neuauflage von „Ypsilon“/Stadttunnel, der Stadtautobahn

  • Kein Waidhaldetunnel

  • Neufrankenschneise weiterhin NEIN

  • Neue Tangentialverbindungen für den öffentlichen Verkehr, insbesondere Tram über die Hard-brücke und Rosengartentram (Escher-Wyss-Platz bis Bucheggplatz)

  • Verwirklichung und Ausbau des Radwegnetzes in und durch die Stadt, insbesondere schnelle und direkte Verbindungen

  • Keine gefährlichen Velostreifen durch FussgängerInnenbereiche, sichtbare Aufteilung der Flächen

  • Förderung des Sicherheitsgefühls der FussgängerInnen durch entsprechende Gestaltung

  • Bevorzugung des Gewerbes im Verkehr und bei Parkplätzen

  • Abbau von Verkehrsschildern

  • Massnahmen zur Reduktion des Freizeit-Verkehrs

  • Beginn einer Politik, die Mobilität reduziert (small is beautiful, near ist nice)